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Freitag, 26. Oktober 2012

"Ghetto-Oma" von Frl. Krise

Titel: Ghetto-Oma
Originaltitel: Ghetto-Oma
Autorin: Frl. Krise
Genre: Erzählung, Humor
Erscheinungsjahr: DE 2012
Verlag: rowohlt
Preis: TB 9,99 EUR
Seitenanzahl: 336 Seiten  


Die ersten Sätze im Buch

"Achtes Schuljahr:
Wann gibt's endlich Sommerferien?

 ÖMÜR

Es ist mörderisch heiß. Ich habe Hofaufsicht in der langen Mittagspause und schleiche lustlos am Schultor herum. Auf der Nase klebt meine fette Sonnenbrille. Warum haben wir eigentlich nicht hitzefrei? Dann könnte ich wenigstens mal gemütlich den Kunstraum aufräumen. Frau Freitag, meine Freundin, die Lehrerin in einem anderen Stadtbezirk ist, hatte natürlich schon gestern früher aus und heute garantiert auch, denn deren Schulleitung ist viel generöser! Ich seufze."
 
Rezension

Frl. Krise ist schon seit fast 40 Jahren Lehrerin, als sie schließlich beginnt, ihre Geschichten aus dem Unterricht aufzuschreiben. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge erzählt sie von den teilweise witzigen, teilweise aber auch nervenaufreibenden Situationen, die eine Brennpunktschule mit sich bringen.

Die Sprache ist sehr jugendlich und natürlich, manchmal leidet die Grammtik (gewollt) darunter, doch das stört den Lesefluss in keinem Fall. Die Umgangssprache wirkt nicht aufgesetzt, sondern erfrischend und leicht. Viele türkische  Begriffe fallen, doch man kann sie sich sehr einfach merken und ganz hinten im Buch gibt es noch eine kleine Vokabelliste.


Von Frl. Krise erfährt man wenig zu ihrem Privatleben, jedoch ihre Lehrerwerdegeschichte ist sehr schön ausgelegt. Sie erzählt von diversen Veränderungen im Schulalltag seien es die neuen Medien oder die Migrationshintergründe ihrer Schüler, alles hat sich gewandelt - vor allem das Benehmen der Kinder! Von aufmüpfig bis agressiv über liebreizend bis schüchtern - Frl. Krise hat sie alle erlebt - und so manches Kind hat es auch geschafft, sich in ihr Herz zu schleichen.


Neben der Vergangenheit macht sie sich auch viele Gedanken um die Zukunft, meist um die ihrer schwierigen Schüler, und man merkt, dass sie mit Herz und Seele ganz Lehrerin ist.


Auch wenn ich in den Genuss von Gymnasialunterricht kommen durfte und solche Problemkinder bei uns eher die Ausnahme bildeten, so konnte ich mir das Unterrichtsgeschehen sehr bildhaft vorstellen und vor allem Frl. Krise nachfühlen, die mal kurz vor der Explsosion stand, mal bei so viel Absurdität völlig sprachlos das Geschehen beobachtete. Außerdem erinnert mich die neunte Klasse, um die es in diesem Buch hauptsächlich geht, an meine jetzige Berufsschulklasse, die scheinbar auch völlig respektlos und naiv durch die Welt läuft.


Heikle Themen wie Integration und schwierige familiäre Verhältnisse werden nicht gescheut, Frl. Krise spricht teilweise wirklich das aus, was andere nur zu denken wagen, weil es auf politischer und/oder sozialer Ebene falsch aufgefasst werden könnte. Jedoch geht sie trotzdem vorsichtig damit um, einiges hat mich wirklich nachdenken lassen über unsere heutige Gesellschaft. Voruteile und Einsichten, ehrlicher kann man fast gar nicht sein.


Ich habe schon oft gelesen, Frl. Krise würde auf der "Frau Freitag"-Welle mitreiten wollen. Da ich aber bisher noch nichts von besagter Frau Freitag gelesen habe, bin ich unvoreingenommen an diese Lektüre rangegangen und kann die beiden nicht vergleichen. Frl. Krise (ob ihr Name nun ein Fake ist oder nicht, ist mir ziemlich egal) erwähnt diesem Frau Freitag des öfteren und sie kommt sogar selbst vor, wird als Freundin betitelt.

Ich persönlich fand dieses Buch sehr unterhaltsam und teilweise wirklich tiefsinnig, würde es jedem empfehlen! 

Absolut lesenswert!

5 von 5 Punkten

Vielen Dank an Vorablesen.de und den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares! 

Donnerstag, 2. August 2012

"Die Geisha" von Arthur Golden

Deutsches Cover
Originalcover
Titel: Die Geisha
Originaltitel: Memoirs of a Geisha
Autoren: Arthur Golden
Genre: Gegenwartsliteratur, Erzählung, Drama
Erscheinungsjahr: DE 2000 | US 1997
Verlag: btb
Preis: TB 10,00 EUR
Seitenanzahl: 576 Seiten

Kurzbeschreibung

Die kleine Chiyo lebt mit ihren Eltern und ihrer großen Schwester in einem kleinen Fischerdorf im Japan. Eines Tages wird die Mutter schwer krank und eine Aussicht auf Heilung scheint es nicht zu geben, so werden die beiden Kinder verkauft und nach Kyoto gebracht, wo sie getrennt werden. Während die Schwester im Vergnügungsviertel landet, kommt Chiyo in eine Okiya, denn sie soll zu einer Geisha ausgebildet werden.

Die ersten Sätze im Buch

"Anmerkungen des Übersetzers
An einem Abend im Frühling 1936, als ich ein Knabe von vierzehn Jahren war, nahm mich mein Vater zu einer Tanzveranstaltung in Kyoto mit. Von diesem Ereignis sind mir nur noch zwei Dinge in Erinnerung: Erstens, daß wir die einzigen Europäer im Publikum waren - wir waren erst einige Wochen zuvor aus unserer Heimat in den Niederlanden herübergekommen, so daß ich mich noch nicht an die kulturelle Isolation gewöhnt hatte und sie sehr stark empfand -, und zweitens, wie sehr ich mich darüber freute, daß ich nach monatelangem intensiven Studium der japanischen Sprache endlich etwas von den Gesprächen rings um mich verstehen konnte. Was die jungen Japanerinnen betraf, die vor mir auf der Bühne tanzten, so habe ich nur noch eine verschwommene Erinnerung an leuchtend bunte Kimonos. Damals hätte ich mir nicht träumen lassen, daß eine von ihnen mir - in einer so großen räumlichen und zeitlichen Distanz wie New York fünzig Jahre später - eine gute Freundin werden und mir ihre außegwöhnlichen Memoiren diktieren würde."

Meine Meinung

Arthur Golden hat die Lebensgeschichte des kleinen Fischermädchens Chiyo so einfühlsam und realistisch erzählt, als hätte es sie wirklich gegeben. Detailiert und spannend gewährt dieser Roman einen großen Einblick in die traditionelle japanische Geisha-Kultur auch mit einigen Stellen, die etwas verstörend für mich waren.

Der Schreibstil ist verständlich, ohne gleicht anspruchslos zu werden, es gibt viele wunderschöne Vergleiche, Umschreibungen und Metaphern, sodass es ein echter Genuss war, das zu lesen. Auch wirkte es kein bisschen langatmig erzählt, wie es oft bei genauen Beschreibungen passieren kann. Schockierende oder obszöne Szenen wurden oft "nett" umschrieben, somit auch etwas verharmlost.

Chiyo (später Sayuri genannt) ist eine sehr sympathische und angenehm "unperfekte" Person mit einer gelegentlichen Neigung zu Naivität. Ihre Taten waren für mich meist nachvollziehbar, nur ihre sich schnell entwickelnde extreme Bessesenheit von einigen Menschen kam mir manchmal etwas merkwürdig vor.

Auch die Nebencharaktere wurden von Golden sehr liebevoll und abwechslungsreich gestaltet, jeder war auf seine Art und Weise besonders und es gab keine direkte Aufteilung in "gut" und "böse".

Insgesamt fand ich den Roman wunderbar, ein Muss für jeden, der sich wenigstens ein bisschen für die japanische Kultur interessiert. Unbedingt lesen!

5 von 5 Punkten


Zusätzlich eine kurze Meinung zum Film

Gleich nach der Lektüre habe ich mir den Film zum Buch angeschaut, fand ihn sehr schön, aber leider auch sehr oberflächlich. Viele Taten wurden nicht erklärt und ich wusste nur, was das zu bedeuten hatte, weil ich die Geschichte bereits kannte. Es war ingesamt sehr hübsch anzusehen, aber an das Original kommt es niemals ran.
Außerdem hat es mich ziemlich gestört, dass viele Rollen gar nicht von japanischen Schauspielern besetzt waren, weil man ihnen die Nationalität oft ansah, wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt hat. Echt schade.
Und das Ende war extrem kitschig, während es im Buch angenehm und vor allem realistisch war.
Trotzdem lohnt es sich, den mal anzuschauen. 

4 von 5 Punkten für den Film

Dienstag, 26. Juni 2012

"Die Leiden einer jungen Kassiererin" von Anna Sam

Titel: Die Leiden einer jungen Kassiererin
Originaltitel: Les tribulations d'une caissière!
Autorin: Anna Sam
Genre: Erzählung, Humor
Erscheinungsjahr: DE 2009 | FR 2009
Verlag: Riemann
Preis: TB 9,99 EUR
Seitenanzahl: 169 Seiten
 
Kurzrezension

Das Leben einer Kassiererin ist gleichzeitig vielschichtig wie eintönig. In diesem Buch erzählt Anna Sam, was sie nach acht Jahren in diesem Berufsfeld alles schöne (oder auch nicht) über die "Servicemitarbeiterin Kasse" gelernt hat. 

Die Kapitel sind kurz und hängen teiweise nur lose miteinander, behandelt jeweils ein berufsspezifisches Thema mit viel Sarkasmus, (Selbst-)Kritik und auch Lob. Lustige Vergleiche, wie auch interessante/absurde/witzige Beispielgeschichten und Beobachtungen aus dem wahren Leben runden diese Satire perfekt ab.

Egal ob man vor oder hinter der Kasse ist, dieses Buch lohnt sich allemal als Abwechslung und/oder für Zwischendurch!

4,5 von 5 Punkten