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Donnerstag, 21. November 2013

Filmtipp: "Die Tribute von Panem - Catching Fire"

Titel: Die Tribute von Panem - Catching Fire
Originaltitel: The Hunger Games - Catching Fire
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Buchverfilmung, Action, Science-Fiction
FSK: ab 12 Jahren
Länge: ca. 146 Minuten
Regie: Francis Lawrence
Drehbuch: Simon Beaufoy, Michael Arndt
Musik: James Newton Howard
Hauptrollen: Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen, Josh Hutcherson als Peeta Mellark, Liam Hemsworth als Gale Hawthorne, Woody Harrelson als Haymitch Abernathy, Elizabeth Banks als Effie Trinket u.v.m.

ACHTUNG! DA ES DER ZWEITE TEIL EINER REIHE IST, KÖNNTE MEINE REZENSION EINIGE SPOILER ENTHALTEN! Rezension zu Teil eins HIER.

Kurzbeschreibung

Nun da die Hungerspiele endlich vorbei sind und Katniss zusammen mit Peeta heil aus der Arena gekommen ist, steht die große Tour der Sieger durch die Distrikte an. Doch nicht nur diese Show hat noch kein Ende, auch die Liebesromanze zwischen den beiden Siegern steht groß im Programm, das Kapitol feiert das vermeintliche tragische Liebespaar. Präsident Snow scheint es nicht so gut zu gefallen und hat sich für die das anstehende Jubel-Jubiläum eine neue Grausamkeit ausgedacht: Katniss muss zurück in die Arena und ihre Gegner sind erfahrene Kämpfer: frühere Sieger aus allen Distrikten…

Meine Meinung

Oh, wie habe ich mich gefreut auf den nächsten Teil der „Panem“-Reihe – ich war mit meinem Freund sogar eine Stunde zu früh im Kino bei der Vorpremiere! So konnten wir uns noch ein bisschen mehr darauf einstimmen, indem wir ein bisschen aus dem Hörbuch vom zweiten Band gehört haben. Und dann war es endlich so weit!

Vorweg muss ich sagen, dass ich wirklich begeistert bin von der Umsetzung.

Wie auch im ersten Teil brilliert Jennifer Lawrence in ihrer Rolle als nunmehr 17jährige Katniss Everdeen. Besonders berauschend finde ich die breite Palette an Gefühlen, die die Schauspielerin so mühelos und glaubwürdig abspielt, als würde sie tatsächlich und wahrhaftig gerade genau diese und jene Situation erleben! Ich muss auch gestehen, dass ich als Lawrence-Fan nicht weniger Einsatz erwartet habe.

Auch mit Josh Hutcherson als Peeta Mellark kann ich mich mittlerweile sogar ein bisschen anfreunden, auch wenn ich immer noch denke, dass er die Rolle des gefühlvollen und einnehmenden Charmeurs, wie man ihn aus den Büchern kennt, nicht zu 100 Prozent wiederspiegelt. Doch darüber lässt sich bekanntlich streiten und ich konnte während des Zuschauens über diesen „Makel“ auch irgendwie hinwegsehen.

Der Figur Gale Hawthorne, verkörpert durch Liam Hemsworth, wird in diesem Teil – zu meinem besonderen Entzücken – etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt, auch wenn es meiner Meinung nach immer noch zu wenig ist! Doch alle wichtigen Interaktionen zwischen ihm, der Protagonistin und dem Feind Staat werden, wenn ich mich richtig erinnere, korrekt und deutlich wiedergegeben. Zwiespalt, Eifersucht und Rebellion treiben diese Figur voran und bremsen sie gleichzeitig aus, das hat auch Hemsworth gut rüberbringen können.

Eine weitere Lieblingsfigur von mir und in diesem Film deutlich bodenständiger und weniger schillernd im Auftritt: Effie Trinket alias Elizabeth Banks! Unglaublich tolle Ausstrahlung, überzeugendes Schauspiel und sehr viel menschlicher dargestellt als im ersten Film. Die Änderung, die auch schon durch die noch düsterere Stimmung wahrgenommen werden kann, ist vor allem an Effie deutlich anzusehen.

Um jetzt nicht alle Figuren einzeln abzuklappern – und glaubt mir, das könnte ich! – sag ich zum Rest nur all umfassend: passend und überzeugend. Auch wenn Finnick etwas zu sehr nach Sunny Boy aussieht und ich mir Johanna noch einen TICK verruchter vorgestellt habe. Aber das ist nur halb so wild.

Es gibt in diesem Film einige Stellen, da hätte ich am liebsten sofort losgeheult, weil sie einfach so unglaublich ergreifend sind, vor allem Katniss Rede in Distrikt 11 zu Ehren Treshs und Rues und die darauf folgenden Reaktionen. Die Hilflosigkeit und Verzweiflung von Katniss während der Tour der Sieger greift auf den Zuschauer, man spürt förmlich mit, wie sie in den Strudel der Hoffnungslosigkeit und des Terrors gesogen wird und droht, dort zu verschwinden.

Spoiler: [Wenn man ganz genau hinschaut und aufmerksam den ersten Film verfolgt hat, der wird hier feststellen, dass Rues Familie ohne den Vater bei der Rede steht. Anscheinend wurde er nach seinem Gefühlsausbruch, den man im ersten Teil sehr gut beobachten konnte, aufgrund des Todes seiner Tochter verhaftet und/oder hingerichtet.]

Neben den herausragenden schauspielerischen Leistungen muss man bei diesem Film vor allem auch die vortrefflichen Kostümdesigns und die allgemeinen Szenenbilder von ganz Panem loben. Der Unterschied zwischen Kapitol und den einzelnen Distrikten ist überdeutlich zu sehen, wie es auch schon im ersten Teil der Fall war. Positiv: Die Kameraführung ist nun deutlich wackelfreier, doch bei brutalen Szenen immer noch zackig, um dem ganzen eine Zensur zu geben.

Etwas weniger gut ist die Gestaltung der Dialoge, wie mein Freund am Ende des Kinobesuchs zu bedenken gab. Sie wirken zu schnell abgehandelt, als würde man rasch alle wichtigen Informationen unterbringen wollen, dafür aber zu wenige Zeit hat, weil noch dies und jenes mit in den Film rein soll. Und auch gewisse „Rätsel“ werden irgendwie zu schnell gelöst, ohne das eigentliche Hintergrundwissen oder die wichtigen Hinweise bekommen zu haben. Ich denke, es wäre gar nicht schlecht, wenn sie dem Film Überlänge gegeben hätten, dafür aber mehr Zeit in die Konversationen gesteckt hätten.

Überhaupt glaube ich, dass man als „normaler“ Zuschauer (sprich: jemand, der nur den ersten Film kennt und die Bücher nicht gelesen hat) von der Informationsflut, die auf einen im gesamten Film einströmt, so fortgespült wird, dass man Ende doch die Hälfte irgendwie nicht ganz zusammenreimen kann. Und trotz der Menge an Infos gibt es trotzdem Lücken, die meinen Freund und mich ziemlich gestört haben, da sie doch wichtige Anhaltspunkte sind für den Verlauf der Geschichte. Beispiel: [Der neue Spielemacher zeigt Katniss nicht seine Uhr mit dem geheimen Zeichen der Rebellion. Die fehlenden, gefälschten Aufnahmen von Distrikt 13 mit dem Vogel, der immer wieder durch das Bild fliegt und die Lüge entlarvt.]

Natürlich müssen viele  Szenen abgewandelt, einiges ausgelassen oder irgendwie nur indirekt abgespielt werden, doch eine Änderung war EXTREM auffällig: Das ganze Geknutsche. So oft küsst Katniss doch im Buch niemanden oder? War ja fast schon neurotisch…

Nette kleine Änderung gegenüber dem ersten Film: Der Kater Butterblume hat nun tatsächlich die selbe Farbe wie auch im Buch genannt wird. Negativ an der Sache: Die Zuschauer, die nur den ersten Film kennen, können mit dieser Änderung nichts anfangen. Und ich hoffe, dass die Filmmacher noch dem Kater die gleiche Rolle zugedacht haben, wie sie im dritten Buch zu finden ist. Das war nämlich die meiner Meinung nach traurigste Stelle der gesamten Trilogie (Wer alle Bücher gelesen hat: Ich meine die Stelle, wenn Katniss am Ende in die Ruinen von Distrikt 12 zurückkehrt, dort auf den Kater trifft und ihm sagt, dass ihre Schwester nicht wiederkommt).

Im Großen und Ganzen kann ich jedoch sagen, dass sich das Warten auf den Film gelohnt hat und ich bereits jetzt der Blu ray entgegenfiebere wie auch dem nächsten Film. Ich würde „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ jedem empfehlen, der schon den ersten Film mochte.

Schaut ihn euch unbedingt an!

5 von 5 Punkten

P.S. Nicht ganz zum Film dazugehörend, aber doch irgendwie zum Kinoerlebnis: Es gibt  im Cinemaxx passend ein „Catching Fire“-Menü mit einem Becher mit Spotttölpel-Motiv, einem Schlüsselanhänger und „Sammelkarten“ der wichtigsten Figuren aus Panem. Leider ist die Qualität des Schlüsselanhängers echt miserabel… Zuerst dachte ich, es wäre sozusagen die „Verpackung“ des Anhängers, weil man das in der Mitte teilen konnte. Dann musste ich erbittert feststellen, dass das Plastikteil bereits der Anhänger war. Bei Iron Man 3 gab es für einen Aufpreis von 5 Euro wenigstens ein T-Shirt, hier bekommt man ein hohles Plastiketwas, das nicht mal annährend eine Ähnlichkeit mit der eigentlichen Brosche hat. Püh.

Donnerstag, 5. September 2013

"Wie man Deutscher wird / How to be German" von Adam Fletcher

1. Originaltitel: Wie man Deutscher wird in 50 einfachen Schritten
2. Originaltitel: How to be German in 50 easy steps
Autor: Adam Fletcher
Genre: Sachbuch, Humor
Erscheinungsjahr: DE 2013
Verlag: C. H. Beck
Preis: TB 8,95 EUR - Bestellen?
Seitenzahl: 144 Seiten

Rezension

Das humoristische Sachbuch „Wie man Deutscher wird / How to be German“ thematisiert in 50 kurzen Kapiteln die größten und/oder interessantesten deutschen Alltagssachen, die der Engländer Adam Fletcher während seiner Zeit in Leipzig und Berlin kennenlernen durfte. Augenzwinkernd selbstverständlich.

Vorneweg stellt sich der Autor zuerst selbst im Vorwort vor und erklärt, wie er überhaupt nach Deutschland kam und welchen Eindruck er insgesamt vom Land, der Kultur und den Menschen bekommen hat. Dabei wirkt er völlig natürlich und sympathisch, teilweise auch schön selbstironisch und vor allem sehr witzig.

Als Icherzähler berichtet Fletcher über seine und generelle alltägliche Erlebnisse des deutschen Lebens – dabei mal verwirrt (über den inflationären Gebrauch des Wortes „Mahlzeit“), mal vorwurfsvoll (über die komplizierte deutsche Grammatik), die verschiedensten Themen aufgreifend (von merkwürdigen Mixgetränken wie Spezi und Bananenbier bis hin zu ausufernden Urlaubsplanungen), aber immer durchzogen mit einem ironisch-sarkastischen Ton, der beim Lesen wirklich Spaß gemacht.

Ich als Russischstämmige, die seit 16 Jahren nun in Deutschland lebt, amüsierte mich köstlich über die kleinen Alltagsgeschichten des Autors, da sie mir teilweise wirklich sehr bekannt vorkamen. Einige dieser witzigen „Anekdoten“ erzählte ich auch meinen deutschstämmigen Freunden und Bekannten, was zum Teil wirklich sehr interessante Reaktionen auslöste – über Bestätigungen bis hin zu vehementem Abstreiten. Was für ein Glück, dass der Autor auch diesem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet hat!

Als kleines Highlight ist das recht dünne Buch in zwei Teile geteilt: in deutscher und englischer Sprache. So ist es möglich, als nicht Englischexperte trotzdem einen Hauch des „exotischen“ zu erhaschen, dadurch dass die Übersetzung direkt mit dabei ist. Auch wenn es auf Englisch nicht so schwer erscheint, so sind doch einige Wörter dabei, die nicht alltäglich und somit auch einfach verständlich sind. Außerdem helfen manchmal kleine Illustrationen bei der Themenorientierung – von allem dafür lohnt es sich, beide Sprachversionen anzuschauen, die Bilder sind nämlich verschieden!

Ich bin wirklich begeistert von diesem Buch, das Auszüge aus dem (eigentlichen) Blog des Autors zeigt, und kann es allen nur wärmstens empfehlen – auch wenn man glaubt, man kenne das eigene Heimatland bereits.

Unbedingt lesen!

5 von 5 Punkten

Vielen Dank an Blogg dein Buch und den C. H. Beck Verlag für die Bereitsstellung des Rezensionsexemplars!

Sonntag, 4. August 2013

"Blackout" von Marc Elsberg

Titel: Blackout - Morgen ist es zu spät
Originaltitel: Blackout - Morgen ist es zu spät
Autor: Marc Elsberg
Genre: Thriller
Erscheinungsjahr: DE 2012
Verlag: Blanvalet
Preis: HC 19,99 EUR | TB 9,99 EUR | Bestellung HIER
Seitenzahl: 800 Seiten

Kurzbeschreibung

Ein plötzlicher Stromausfall sorgt mitten im Winter für gewaltiges Chaos in Italien, kurze Zeit später sind immer mehr europäische Länder davon betroffen. Als der polizeibekannte italienische Hacker Piero Manzano per Zufall einen merkwürdigen Code bei seinem Stromzähler entdeckt, wird er skeptisch und wendet sich an die Polizei, die ihn jedoch abweist. Erst als länderübergreifende Institutionen auf ihn aufmerksam gemacht werden, wird er scheinbar ernst genommen – und muss urplötzlich um seine Freiheit fürchten…

Die ersten Sätze im Buch

"Mailand

Wie ein Verrückter riss Piero Manzano das Lenkrad herum, während die Kühlerhaube seines Alfa unbeirrt auf den blassgrünen Wagen vor ihm zuglitt. Er stemmte beide Arme gegen das Lenkrad, glaube das hässliche Geräusch schon zu hören, mit dem sich zwei Karosserien ineinander verkeilen. Breme, schlitternde Reifen, im Rückspiegel die Lichter der Autos hinter ihm, gleich der Aufprall."

Meine Meinung

Mein erster Gedanke nach ca. 100 Seiten: Puh, das ist aber VIEL Fachwissen, das da untergebracht wird. Doch wenn man sich da erst mal reingefuchst hat und die Geschichte richtig an Fahrt und vor allem Tiefe aufnimmt, kann man den Roman gar nicht mehr aus der Hand legen.

Das Buch ist – grob gesehen – in Abschnitte orientiert, die zeigen, wie viele Tage seit dem ersten großen Stromausfall vergangen sind. In diesen Kapiteln wird die Geschichte je nach Fortschritt des Tages in verschiedene europäische – zeitweise auch US-amerikanische – Städte gelegt, sodass man den Ablauf aus fast einem Duzend Perspektiven und Orten mitbekommt und so einen Art „Allround-Einblick“ in das Geschehen hat, was die Spannung rapide hochschraubt.

Dadurch wird die Geschichte gleichzeitig auch sehr komplex aber keineswegs unübersichtlich, da man durch die Individualität der verschiedenen Figuren und den Schreibstil sich immer wieder gut an vorherige Ereignisse erinnern und so den kompletten Zusammenhang feststellen konnte. Ein riesen Lob an den Autor, der es meisterhaft schafft, trotz Komplexität und Vielschichtigkeit der Geschichte den Leser nicht zu verwirren.

Sehr gelungen finde ich auch die Wahl der Perspektiven – mal aus der Sicht von Zivilisten, mal von Mitarbeitern eines Atomkraftwerkes, mal von den Behörden – und auch die Hauptperson Manzano ist eine interessante Figur, die nicht unbedingt heldenhaft ist, aber durchaus couragiert handelt, was ihn sehr interessant aber nicht zu abgehoben wirken lässt.

Das wohl erschreckendste an diesem Roman ist: Es ist so realistisch, dass man anfängt zu überlegen, was man wohl selbst in dieser Situation und unter diesen Umständen in seiner eigenen Umgebung getan hätte. Die Entwicklung der Gesellschaft wirkt wie ein Echo der bereits bekannten Geschichte zur Zeit des Zweiten Weltkrieges – denn das Szenario wirkt ähnlich: Hunger. Kälte. Tod. Der Wille zum Überleben führt zu Rücksichtlosigkeit und Gewalt.

Man glaubt gar nicht, wie sehr wir eigentlich von Strom abhängig sind – Wasserversorgung funktioniert nicht, Lebensmittel können nicht mehr produziert werden, selbst Benzin kann nicht mehr gepumpt werden. Die medizinische Versorgung wird knapp, Kommunikation über weitere Strecken ist bald unmöglich. Im Grunde funktioiert nichts mehr.

Am Ende der Geschichte geht es mir etwas zu schnell und zu durcheinander mit der Handlung, auch wenn man versteht was passiert – irgendwie empfinde ich diesen Abschluss unpassend zum Rest. Aber das tut meiner Begeisterung für diesen Roman keinen Abbruch.

Unbedingt lesen!

5 von 5 Punkten

Vielen Dank an Blogg Dein Buch und den Blanvalet Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Montag, 15. Juli 2013

"Mein Sommer nebenan" von Huntley Fitzpatrick

Titel: Mein Sommer nebenan
Originaltitel: My life next door
Autorin: Huntley Fitzpatrick
Genre: Jugendbuch, Romantik
Erscheinungsjahr: DE 2013 | USA 2012
Verlag: cbj
Preis: HC 16,99 EUR
Seitenzahl: 512 Seiten

Kurzbeschreibung

Die Garretts sind für Samantha wie ein Hobby, jeden Abend beobachtet sie diese mehrköpfige Familie von ihrem Zimmer aus und lernt sie so aus der Ferne kennen und lieben. Umso glücklicher wird sie, als sie plötzlich und völlig unerwartet so etwas wie ein Teil dieser Familie wird – bis eine tragische Wendung diesem Glück ein jähes Ende setzt…

Die ersten Sätze im Buch

"Erstes Kapitel

Die Garretts waren für uns von Anfang an tabu.
Aber das ist nicht der Grund, warum sie eine wichtige Rolle spielten.
Als ihr verbeultes Auto an jenem Tag vor zehn Jahren zusammen mit einem Umzugswagen vor dem Nachbarshaus hielt, standen wir gerade im Vorgarten.
'Oh nein.' Mom ließ seufzend die Hände sinken. 'Ich hatte so sehr gehofft, das würde uns erspart bleiben.'
'Was denn?', rief meine ältere Schwester Tracy, die im Blumenbeet neben der Einfahrt hockte, über die Schulter."

Meine Meinung

Der Debütroman der Amerikanerin Huntley Fitzpatrick ist ein wunderschönes Jugendbuch, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat.

Im Grunde geht es um ein wohlbehütetes Mädchen, das eine ganz besondere Leidenschaft für ihre Nachbarsfamilie entwickelt. Am Anfang beobachtet sie noch scheu aus der Ferne, doch recht bald wird sie mit in das Familiengeschehen integriert, dadurch dass ihr einer der jungen Garretts völlig den Kopf verdreht.

Samantha Reed – die Ich-Erzählerin – hat es nicht wirklich schwer in ihrem Leben. Die Mutter hat reich geerbt, in der Schule läuft es quasi perfekt, sie kommt mit allen gut klar und Probleme hat sie sonst eigentlich auch keine. Zugegeben, ein Vater fehlt – er hat Sams Mutter einfach schwanger sitzengelassen – aber damit kommt Samantha klar, schließlich hat sie ihn auch nie kennengelernt.
Sam ist anfangs eine recht passive Person, sie lebt ihr Leben, wie es gerade passiert, und geht ihrem Hobby nach – dem Beobachten der Garretts. Doch im Laufe der Geschichte kann man eine erfreuliche Wendung und Entwicklung dieser Person feststellen. Sie wird aktiv und das liegt nicht zuletzt an der Nachbarsfamilie – besonders einem ganz bestimmten Mitglied dieser.

Jason „Jase“ Garrett ist der zweite Protagonist dieser Geschichte. Als mittleres Kind von neun hat er sich eine stabile Stellung als Handwerker und „Mädchen für alles“ innerhalb der Familie gesichert. Alle kommen auf ihn zu, wenn sie etwas brauchen, und er hilft gerne. Das ist auch das, was mich so sehr gestört hat: Jase scheint perfekt zu sein – er kann alles reparieren, er kommt mit allen klar, er liest dir jeden Wunsch von den Augen ab. Aber zum Glück macht auch er, ähnlich wie Sam, eine Entwicklung durch, in der er plötzlich so viel menschlicher wirkt mit all seinen Fehlern und Macken – und plötzlich hab ich mich fast ein bisschen in ihn verliebt. ;)

Aber eine Person hat es mir besonders angetan: Tim. Der drogensüchtige Zwillingsbruder von Sams bester Freundin erleidet einen heftigen Absturz. Doch er bekommt eine zweite Chance und genau die ist es, die ihn wieder zur Vernunft bringt. Er wird zu einer Art Stütze für Sam in schweren Zeiten und ist später der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Geschichte. Seine Sprüche sind die, die mir mit Abstand am besten gefallen haben – er ist so gnadenlos ehrlich und dabei auf seine eigene Art und Weise charmant und witzig. Eine großartige Figur einfach.

Ich muss sagen: Noch nie hat mich eine Großfamilie so fasziniert wie die Garretts! In einer großen Familie muss man natürlich herrausstechen können, so hat auch jedes einzelne Mitglied eine Besonderheit, die ihn interessant macht und gleichzeitig im Komplex einfach liebenswürdig, sei es George mit seinem außergewöhnlichen Interesse für die Natur und einem großen Problem mit dem Thema Tod oder Alice mit ihrem ausgeflippten Aussehen und gleichzeitig so erwachsenen Auftreten in Krisensituationen oder Patsy, die Jüngste im Bunde, deren ersten gesprochenen Wörter mit der Nahrungsaufnahme und dem Endprodukt davon zu tun haben. Diese Familie ist einzigartig und vor allem voller Leben mit all den kleinen und großen Sorgen.

Die Wendung in dieser Geschichte ist hart, ich war wirklich sehr wütend über die Ungerechtigkeit, die plötzlich die Überhand gewonnen hat, und habe mit den Figuren mitgelitten und mitgefiebert. Nicht zuletzt liegt es auch an dem Erzählstil, der locker aber nicht zu umgangssprachlich und auch nicht "steif" oder "trocken" ist.

Ich denke, dass „Mein Sommer nebenan“ eine wunderbare Sommerlektüre ist, die eine wichtige Botschaft zu verkünden hat. Und diese Botschaft solltet ihr euch unbedingt anschauen! Lest das Buch, ihr werdet es nicht bereuen.

5 von 5 Punkten 

P.S. an Mariko-Chan: Sam erinnert mich aus irgendeinem Grund an dich. Ich denke, du solltest das Buch mal lesen. :)

Mittwoch, 3. Juli 2013

Filmtipp: "Ohne Limit"

Titel: Ohne Limit
Originaltitel: Limitless
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Thriller
FSK: ab 16 Jahren
Länge: ca. 105 Minuten
Regie: Neil Burger
Drehbuch: Leslie Dixon
Musik: Paul Leonard-Morgan
Hauptrollen: Bradley Cooper als Edward "Eddie" Morra, Robert De Niro als Carl Van Loon, Abbie Cornish als Lindy, Anna Friel als Melissa Gant, Johnny Whitworth als Vernon Gant u.v.m.

Kurzbeschreibung

Edward Morra ist Schriftsteller – zwar nicht sehr erfolgreich, aber er hat einen Buchvertrag. Leider ist der Termin für die Abgabe der ersten Seiten schon weit überschritten und auch seine Freundin Lindy hat keine Lust mehr und verlässt ihn. Per Zufall trifft er auf den Bruder seiner Exfrau, der bereits früher mit Drogen gedealt hat. Dieser dreht Eddie ein brandneues Wundermedikament an, welches sein Leben in völlig neue Bahnen lenkt und mindestens genauso viele Probleme mit sich bringt…

Meine Meinung

„Ohne Limit“ ist ein rasanter Actionfilm, der einen nicht mehr so schnell loslässt.

NZT, die neue Wunderdroge, lässt dich für knapp 24 Stunden auf 100 % deines Gehirns zugreifen, was zu erstaunlichen Denkleistungen führt. Alles, was du je in deinem Leben gehört, gelesen oder gesehen hast wird im Gehirn abgespeichert, doch bleibt uns die meiste Zeit verborgen, diese Erinnerungen können wir mit NZT nach belieben aufrufen und verwerten.

Wer würde das nicht gerne mal ausprobieren?

Eddie – gespielt von Bradley Cooper, der bereits durch „Hangover“ und „Silver Linings“ großen Erfolg feiern konnte – ist kein richtiger Gewinnertyp. Verzweifelt versucht er, einen Bestseller zu schreiben (oder überhaupt ein Buch!) und scheitert bereits an dem Anfang. Er ist ein liebenswerter Kerl, manchmal hatte ich wirklich Mitleid mit ihm. Doch sobald er mit dem Konsum der neuen Droge beginnt, verwandelt sich auch sein gesamter Charakter. Er wird auf gewisse Art und Weise arrogant und egoistisch, vor allem aber sehr von sich überzeugt – zu Recht bei den Leistungen, die er durch NZT vollbringt.

Leider setzt Eddie seine neu gewonnenen Fähigkeiten in den falschen beruflichen Sparten ein, was ihn in große Schwierigkeiten bringt. Seine NZT-Quelle versiegt langsam aber sicher und immer mehr Leute werfen ein Auge auf die neue Wunderpille. Eddies leben steht plötzlich auf dem Spiel.

Bradley Cooper setzt vor allem die Wandlung dieser Figur meiner Meinung nach perfekt um, auch ohne die Änderung der Farben im Film (wenn die Droge wirkt, liegt eine Art Schein und Sättigung über dem Bild wie ein Filter) kann man genau sehen, ob die Figur unter Drogeneinfluss steht oder nicht. Allein die Mimik und die Körperhaltung drücken diesen Unterschied genial aus.

Einige brutalere Szenen durften auch hier wohl nicht fehlen – leider. Ich bin kein Fan von drastischer Veranschaulichung von Gewalt – doch glücklicherweise hielt sich dies in Grenzen und so konnte ich den Film doch noch genießen ohne richtige Schock- und Ekelmomente.

Ein actiongeladener Film mit interessanten Wendungen, grandiosem schauspielerischen Talent, einer guten Portion Humor und einer Versuchung, der ich wahrscheinlich auch nicht widerstehen könnte.

Unbedingt schauen!
5 von 5 Punkten

Freitag, 28. Juni 2013

"Ein Atemzug entfernt" von Heather Gudenkauf

Titel: Ein Atemzug entfernt
Originaltitel: One Breath Away
Autorin: Heather Gudenkauf
Genre: Psycho-Thriller
Erscheinungsjahr: DE 2013 | US 2012
Verlag: MIRA Taschenbuch
Preis: TB 8,99 EUR - Bestellung HIER
Seitenzahl: 348 Seiten

Kurzbeschreibung

Eigentlich ist Broken Branch eine idyllische Kleinstadt in Iowa, wo jeder jeden kennt und die Nachbarn sich noch gerne gegenseitig helfen. Doch eine Geiselnahme in der ortsansässigen Schule zerstört dieses Bild nur innerhalb von Augenblicken. Doch wer ist der bewaffnete Mann, der die Polizei so in Atem hält? Und was will er?

Die ersten Sätze im Buch

"HOLLY

Ich befinde mich in dem angenehmen Schwebezustand zwischen Wachen und Schlafen. Dank der Morphiumpumpe empfinde ich keine Schmerzen, und beinahe kann ich glauben, dass die Muskeln, Sehnen und Hautschichten meines linken Armes sich selber zusammengeflickt haben, sodass meine Haut wieder weich und hell aussieht. Meine lockigen braunen Haare fallen mir wieder weich über den Rücken, meine Lieblingsohrringe baumeln an meinen Ohren, und ich kann beim Gedanken an meine Kinder beide Mundwinkel ohne Schmerzen zu einem breiten Lächeln verziehen. Ja, Medikamente sind etwas Wunderbares."

Meine Meinung

„Ein Atemzug entfern“ ist ein spannender Psycho-Thriller, der es in sich hat. Heather Gudenkauf weiß ganz genau, wie man den Leser dazu bringt, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu wollen.

Die Geschichte an sich ist recht simpel: Ein Mann stürmt bewaffnet eine Schule, nimmt sich Geiseln und stellt der Polizei Bedingungen. Irgendwann muss sich diese Situation auflösen – ob mit oder ohne Toten.

Doch Gudenkauf webt hier noch viel mehr ein – ein Duzend Schicksale und mehr treffen aufeinander, gehen auseinander und nehmen ihren Lauf. Irgendwie ist alles und jeder miteinander verbunden, sodass man nicht umhin kommt, über die Vielfältigkeit der Figuren, Hintergründe und Gedanken zu staunen, die sich einem plötzlich auftun.

Es gibt insgesamt fünf Protagonisten, die mal aus der Ich-Perspektive ihre Erlebnisse schildern und mal durch einen Erzähler begleitet werden. Jede einzelne dieser Figuren ist auf ihre eigene Art und Weise einzigartig und interessant: Holly, die tausende Meilen entfernt im Krankenhaus liegt und nicht weiß, was gerade in ihrem Heimatort passiert;  ihre Tochter Augie, die ihren kleinen Bruder aus dem Fängen des Unbekannten befreien will und dabei bereit ist, ihr eigenes Leben in Gefahr zu bringen; Hollys Vater Will, der hilflos miterleben muss, wie seine Enkelkinder kurz vor dem Tod stehen;  Meg, eine junge und sehr aktive Polizistin, die keine Mühen und Gefahren scheut, die Kinder zu retten; Mrs Oliver, die Grundschullehrerin, die sich mutig dem Eindringling in den Weg stellt, um ihre jungen Schüler zu beschützen.

Auch der bewaffnete Mann, ganz klar als „Bösewicht“ in dieser Geschichte gekennzeichnet, zeigt ab und zu erstaunlich menschliche Züge und wirkt dadurch gleich etwas weniger „böse“, eher mehr wie eine fehlgeleitete Seele mit einem sehr klaren Ziel vor Augen.

Der Erzählstil ist den einzelnen Protagonisten angepasst und variiert nur geringfügig, aber trotzdem erkennbar und passend. Überraschende Wendungen bringen stets Abwechslung ins Geschehen und am Ende kommt es doch anders, als man zuerst dachte.

Ein großartiger Roman, der so manche spannenden Lesestunden mit sich bringt.
Ganz klare Empfehlung!

5 von 5 Punkten

Vielen Dank an Blogg dein Buch und MIRA Taschenbuch für die Bereitsstellung des Rezensionsexemplares!

Donnerstag, 27. Juni 2013

"Inferno" von Dan Brown

Titel: Inferno 
Originaltitel: Inferno  
Autor: Dan Brown  
Genre: Thriller  
Erscheinungsjahr: DE 2013 | US 2013  
Verlag: Lübbe  
Preis: HC 26,00 EUR  
Seitenzahl: 688 Seiten

Kurzrezension

Robert Langdon, der berühmte Professor aus Harvard, wacht in Florenz auf – und weiß nicht, wie er da hingekommen ist! Ein Mordanschlag, der ihm fast das Leben gekostet hat, führt zu einer Amnesie, die mehrere der letzten Tage aus seiner Erinnerung gelöscht hat. Doch was ist passiert, dass plötzlich alle hinter ihm her sind und ihn umbringen wollen?

Der vierte Teil der Reihe um den berühmt berüchtigten Symbologen Langdon führt ihn (wie auch schon im ersten Teil) nach Italien, dieses Mal jedoch nach Florenz, die Geburtsstadt von vielen bekannten Künstlern und Dichtern u.a. auch Dante, der die „Göttliche Komödie“ geschrieben hat.

Diese weltberühmte Dichtung ist auch der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Geschichte, in der es wie gewohnt um Leben und Tod der gesamten Menschheit geht. Doch es ist gar nicht mal diese Gefahr, die die gesamte Dramatik des Romans trägt! Es sind die Erinnerungslücken des Professors, die im Grunde die komplette Spannung halten – bruchstückhafte Anamnese (Wiedererinnern) und viele Déjà-vu-Momente verpackt in einer atemberaubenden Verfolgungsjagd, bei der man nicht mal weiß, vor wem genau man flieht. Nebenbei kriegt man ziemlich viel Hintergrundwissen zu den verschiedensten Ereignissen, Personen, Gegenständen und Gebäuden.

Wer arbeitet mit wem zusammen? Wer ist gut? Wer ist böse? Die Auflösung ist wieder mal genial Brown-typisch.

Lest es!

Reihe:
1. "Illuminati"
2. "Sakrileg"
3. "Das verlorene Symbol"
4. "Inferno"

5 von 5 Punkten

Dienstag, 25. Juni 2013

"Freak City" von Kathrin Schrocke

Titel: Freak City
Originaltitel: Freak City
Autorin: Kathrin Schrocke
Genre: Jugendbuch, Romantik
Erscheinungsjahr: DE 2010
Verlag: Carlsen
Preis: TB 6,99 EUR | HC 13,90 EUR
Seitenzahl: 203 Seiten

Kurzbeschreibung

Mikas Leben hätte so schön sein können, hätte Sandra nicht urplötzlich Schluss gemacht und ihn als langweilig abgestempelt. Doch er gibt die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft nicht auf und landet mehr schlecht als recht geplant in einem Kurs für Gebärdensprache - das alles natürlich nur um seine Ex zu beeindrucken! Oder liegt es doch an Lea, die er kürzlich kennengelernt hat und die ihn so fasziniert? Denn Lea ist gehörlos.

Die ersten Sätze im Buch

"EINS
Irgendein kluger Mann hat einmal behauptet, dass man auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, etwas Schönes bauen kann.
Das stimmt. Lasst euch das von einem 16-jährigen Typen mit Bausparvertrag sagen.
Trotzdem war mir nicht im Geringsten bewusst, auf was ich da zusteuerte, als ich mit meinen zwei besten Kumpels durch die Stadt stolperte, dem Mädchen hinterher."

Meine Meinung

Ein Jugendbuch, das das Thema Gehörlosigkeit verarbeitet – so etwas lese ich zum ersten Mal. Ich finde es faszinierend, wie die Autorin es geschafft hat, eine rein visuelle Sprache wie die Gebärdensprache so geschickt in einer schriftlichen Form zu verpacken, dass man das Gefühl hat, die Bilder direkt vor dem Auge zu haben. Und nebenbei lernt man sogar die eine oder andere Gebärde.

Im Grunde bietet diese Geschichte einen kleinen Einblick in die Welt einer gehörlosen Person und vor allem den kleinen und großen alltäglichen Hindernissen, die die Kommunikation mit hörenden Menschen bringt. Allein schon das Einkaufen beim Bäcker kann zu einem Spießrutenlauf werden, weil man schlichtweg missverstanden wird und als „betrunken“ oder „geistig behindert“ abgestempelt ist. Lea tat mir furchtbar Leid, von solch dummen und vorurteilenden Menschen umgeben sein zu müssen.

Auch Mika, der Protagonist und Ich-Erzähler, tut sich anfangs sehr schwer, Lea kennenzulernen. Fehlende Erfahrung ist ein großes Hindernis für ihn, so braucht er Zeit, um sich auf die neue Situation einzustellen. Ist sein Interesse an Lea zuerst aus einem recht egoistischen Grund, entwickelt er eine starke Sympathie für seine neue Freundin.

Lea ist kein gewöhnliches Mädchen, schon allein wenn man den Fakt weglässt, dass sie gehörlos ist. Sie ist eine starke und unabhängige Persönlichkeit, die sich nicht unterkriegen lässt. Außerdem ist sie sehr klug und recht leicht zu reizen – Mitleid möchte sie keinen haben. Ich finde es bewundernswert, wie sie ihr Leben meistert, obwohl ihr die meisten Menschen wirklich ziemlich blöd kommen – ich denke, ich könnte das nicht so einfach wegstecken.

Die Geschichte von Mika und Lea ist recht kurz gehalten und ich hatte teilweise das Gefühl, die Protagonisten wären deutlich älter als nur 15 Jahre, sie haben sich teilweise nicht alterstypisch verhalten meiner Meinung nach.

Einige Figuren wie z. B. Mikas Ex-Freundin Sandra, sein bester Freund Calimero und die Lehrerin Biene treten recht häufig auf, doch ich wünschte mir mehr Entwicklung auch bei denen, viele Probleme und Fragen scheinen mir irgendwie unter den Tisch gekehrt zu werden.

Trotzdem und allein schon aufgrund der genialen Umsetzung des Themas finde ich dieses Buch sehr gut und würde es jederzeit weiterempfehlen!

5 von 5 Punkten

Vielen Dank an Buchbotschafter und den Carlsen Verlag für die Bereitsstellung des Rezensionsexemplares!

Mittwoch, 5. Juni 2013

"Die Mütter-Mafia" von Kerstin Gier

Titel: Die Mütter-Mafia
Originaltitel: Die Mütter-Mafia
Autorin: Kerstin Gier
Genre: Humor, Frauenroman
Erscheinungsjahr: DE 2005
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: TB 7,99 EUR
Seitenzahl: 320 Seiten

Kurzbeschreibung

Constanze steht kurz vor dem Nervenzusammenbruch: Ein abgebrochenes Psychologie-Studium und zwei Kinder später möchte ihr Ehemann, ein angesehener Staatsanwalt, urplötzlich die Scheidung. Ohne Ausbildung, Job und somit auch eigenes Einkommen muss sie nun sehen, wie sie ihren Nachwuchs versorgen soll, zumal sich dieser zum Teil gerade in einer besonders schweren Phase des Lebens befindet: der Pubertät. Zumindest haben sie noch ein Dach über dem Kopf, auch wenn es sich um das alte Haus der verstorbenen Großmutter handelt. Wie gut, wenn man jetzt noch Freunde hat, die einem durch diese schwere Zeit mit Rat und vor allem Tat zur Seite stehen...

Die ersten Sätze im Buch

"Julius und ich fuhren erster Klasse im ICE von Hamburg nach Köln. Weil nämlich der Spartarif erster Klasse billiger war als der Normaltarif zweiter Klasse, was ich zwar nicht verstand, aber ich war noch nie gut im Rechnen gewesen. Außerdem soll man nehmen, was man kriegen kann, wie meine Mutter immer sagt. In der ersten Klasse haben die Sitze hübschere Polster, und man hat mehr Platz für die Beine. Allerdings hatten wir keine Platzreservierung, und die einzigen nebeneinander liegenden, nicht reservierten Plätze lagen mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, und statt auf den eingebauten Bildschirm in der Rückenlehne des Vordersitzes schauten wir in die Gesichter von Herrn und Frau Meyer 'met Ypsilon aus Offebach bei Frankfott, ei, der Klee is aber süß, wie alt issen der?', die ebenfalls in Hamburg eingestiegen waren und aus einem unerschöpflichen Vorrat Salamistullen verzehrten."

Meine Meinung

Kerstin Giers Schreibstil ist einfach genial, ich habe mich KÖSTLICH amüsiert! Nachdem ich schon bei "Für jede Lösung ein Problem" und der "Edelstein"-Trilogie gemerkt habe, dass die Frau einen großartigen Humor hat, bin ich nun erstrecht davon überzeugt!

Auch wenn dieser Roman keine richtige Geschichte bzw. einen roten Faden aufweist und die Handlung mehr oder weniger nur so dahinplätschert, steckt die pure Unterhaltung allein in der Erzählweise - das habe ich bisher selten in der Form erlebt.

Constanze, die Ich-Erzählerin, ist vollbeschäftigte Hausfrau und Mutter. Sie hat (mehr ausversehen) reich geheiratet und hatte es seitdem nicht mehr nötig, noch großartige Karriereplanungen zu machen. Etwas chaotisch kommt sie daher und ist sehr schlagfertig in ihrer Argumentation - nur manchmal vielleicht auch bei den falschen Personen, weswegen sie wegen ihrer so offenen Art sich nicht immer nur Freunde macht.

Ihre beiden Sprösslinge Nelly und Julius sind ein typisches Geschwisterpaar, das sich zum Zeichen des Liebhabens ab und zu auch mal zankt, wobei Nelly durch ihre pubertätsbedingten Hormonschwankungen sowieso die meiste Zeit eine richtige Zicke mimt - ohne dem Leser all zu sehr auf die Nerven zu gehen.

Grandios finde ich die Vielfältigkeit der verschiedenen Haupt- und Nebenfiguren, jede wäre wohl einer genauen Charakterisierung wert! Besonders hervorragend finde ich die Gespräche unter den einzelnen Müttern und die wirklich einmaligen Foreneinträge, die man am Anfang eines jeden Kapitels zu lesen bekommt. Diese Beiträge stammen aus der Mütter-Society der Insektensiedlung, in die Constanze mit ihren Kindern eingezogen ist, und zeigen mal unterschwellig, mal nur all zu deutlich den Konkurrenzkampf der Mütter untereinander, bei dem es darum geht, welche das am besten geförderte Kind hat. Natürlich sind die Kinder alle hochbegabt - zumindest in den Augen der überstolzen Mütter.

Ich würde jedem, der eine leichte Lektüre für Zwischendurch sucht und sich gut unterhalten lassen möchte, dieses Buch, welches der Auftakt einer ganzen Reihe ist, zu lesen! Den nächsten Teil werde ich auf jeden Fall auch bald holen!

Reihe:
1. "Die Mütter-Mafia"
2. "Die Patin"
3. "Gegensätze ziehen sich aus"
4. "Die Mütter-Mafia und Friends"

5 von 5 Punkten

Sonntag, 12. Mai 2013

Filmtipp: "Cloud Atlas"

Titel: Cloud Atlas
Originaltitel: Cloud Atlas
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Buchverfilmung, Crossover
FSK: ab 12 Jahren (ab 16 Jahren von mir empfohlen!)
Länge: ca. 172 Minuten
Regie: Tom Tykwer, Andrew und Lana Wachowski
Drehbuch: Tom Tykwer, Andrew und Lana Wachowski
Musik: Tom Tykwer, Johnny Klimek, Reinhold Heil
Hauptrollen: Tom Hanks als u.a. Zachary, Halle Berry als u.a. Luisa Rey, Jim Broadbent als u.a. Timothy Cavendish, Jim Sturgess als u.a. Adam Ewing, Doona Bae als u.a. Sonmi~451, Ben Wishaw als u.a. Robert Frobisher u.v.m.

Kurzbeschreibung

Ein Anwalt, der sich 1849 mit einem Sklaven anfreundet; ein junger, britischer Komponist, der zur Zeit der Machtergreifung der Nationalsozialisten eine Symphonie schreibt, die die Welt noch 400 Jahre später begleiten soll; eine aufstrebende Journalistin, die in den 70er Jahren eine Atomintrige aufdecken versucht und dabei ihr eigenes Leben in Gefahr bringt; ein Verleger, der aufgrund von Schulden auf der Flucht ist und dabei unfreiwillig seine Freiheit aufgibt; eine weibliche Dublikantin (Klon), die als Fast-Food-Restaurant-Bedienung ihr Leben beginnt und durch ihr eigenständiges Denken die Welt im Jahre 2144 verändern möchte; ein Ziegenhirte, der 106 Jahre nach der Apokalypse gegen seinen inneren Teufel kämpfen muss: All diese Schicksale sind über die Jahrhunderte hinweg miteinander verflochten, eine Entscheidung heute kann ungeahnte Folgen für die Menschheit von morgen haben...

Meine Meinung

"Erst wenn du deinen letzten Atemzug getan hast, wirst du begreifen, dass dein Leben nicht mehr gewesen ist als ein Tropfen in einem grenzenlosen Ozean!" - "Was aber ist ein Ozean anderes als eine Vielzahl von Tropfen?" Dieses Zitat, das wohl auch so im Originalwerk von David Mitchell zu finden ist, trifft meiner Meinung nach sehr gut den Kern der gesamten, zugegeben recht komplexen Handlung bzw. der sechs miteinander verbundenen Handlungsstränge.

Dieser Film gehört zu den wenigen, die man zwei Mal schauen sollte, um ihm auch nur ansatzweise zu verstehen (zumindest wenn das Buch nicht gelesen hat). Ich gehöre zu denen, die Mitchells Werk noch nicht gelesen haben, weswegen ich auch beim ersten Schauen der Verfilmung ziemlich überwältigt wurde und bis zum Schluss eher perplex geblieben bin.

Dieser Film ist ein Crossover aus den verschiedensten Genres, alles scheint vertreten über Abenteuer, Thriller und Science-Fiction zu Drama, Romantik, Komödie und vielem mehr - da sollte jeder auf seine Kosten kommen können. Herausragend sind vor allem die raffiniert gesetzten Übergänge zwischen den einzelnen Geschichten, die sich im ständigen Wechsel befinden und die mal einen amüsanten Effekt haben, mal einen metaphorischen Aspekt verdeutlichen.

13 verschiedene Schauspieler begleiten uns in je bis zu sieben Rollen durch alle sechs Geschichten mal gut erkennbar, mal so maskiert und kostümiert, das man sie nur erahnen kann. Neben Tom Hanks, Halle Berry und Hugh Grant finden sich noch zeilreiche weitere bekannte Gesichter wie beispielsweise Jim Broadbent, der Professor Slughorn in "Harry Potter und der Halbblutprinz" verkörperte, und Hugo Weaving, der Mr. Smith bei "Matrix" darstellte.

Doch allein die Kostüme machen noch lange keinen Schauspieler aus, das beweisen die Darsteller, in dem sie jeder ihrer Figuren eine Einzigartigkeit geben, die schlichtweg bemerkenswert ist, sei es durch Körperhaltung oder Mimik - eine Herausforderung, die mit Bravur gemeistert wurde.

Auf die einzelnen Geschichten möchte ich nicht näher eingehen, da ich denke, dass schon allein die Kurzbeschreibung, wie sie auch in etwa dieser Form überall sonst zu finden ist, mehr verrät, als sie sollte.

Fantastische schauspielerische Leistung und grandiose Inszenierung mit Spannung, Humor und einer Menge Abwechslung plus einer bemerkenswerten Liebe fürs Detail wie auch einer zum Nachdenken anregenden Handlung - besser kann man einen Film fast gar nicht gestalten. Das einzige, was mich wirklich gestört hat, ist die Brutalität und das viele Blut - ich hätte den Film niemals ab 12 Jahren freigegeben!

5 von 5 Punkten

Mittwoch, 1. Mai 2013

Filmtipp: "Iron Man 3"

Iron Man 3 - Trinkbecher, Sammelfigur
und Code für ein T-Shirt
Titel: Iron Man 3
Originaltitel: Iron Man 3

Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Comicverfilmung, Action, Science-Fiction
FSK: ab 12 Jahren
Länge: 131 Minuten
Regie: Shane Black
Drehbuch: Drew Pearce, Shane Black

Musik: Brian Tyler
Hauptrollen: Robert Downey Jr. als Tony Stark/Iron Man, Gwyneth Paltrow als Virginia "Pepper" Potts, Don Cheadle als Lt. Col. James Rhodes, Jon Favreau als Happy Hogan, Guy Pearce als Aldrich Killian, Ben Kingsley als Der Mandarin u.v.m.



Kurzbeschreibung

Tony Stark hat ein Problem: Nach den schrecklichen Ereignissen in New York leidet der Multimiliadär unter Panikattacken, die er nur durch seinen Kampfanzug wieder in Griff bekommt. Als dann einer seiner engsten Freunde durch den Angriff des Mandarin, einem Terroristen, schwer verletzt wird, schwört Tony Rache und bringt dabei nicht nur sich selbst in größte Gefahr...

Meine Meinung

Was für ein grandioses Finale einer großartigen Comic-Trilogie! Besser hätte ich es mir fast nicht wünschen können, dabei hatte ich anfangs so meine Bedenken, da ein neuer Regisseur für den Film eingesetzt wurde. Doch Shane Black hat bereits in "Kiss Kiss, Bang Bang" sehr gute Arbeit geleistet!

Robert Downey Jr. hat auch in diesem Teil der "Iron Man"-Reihe sein brilliantes schauspielerisches Können gezeigt, ich bin begeistert! Den eitlen und sehr eigenen Charakter des Tony Starks hat er wieder mal mit Bravur wiedergegeben, kein einziges Mal habe ich an seiner Darstellung in irgendeiner Weise gezweifelt oder diese für widernatürlich gehalten.

Ein Highlight des Filmes ist die Rolle des Sir Ben Kingsley, den ich bereits in "Lucky Number Slevin" überragend fand. Diese Figur des "Mandarin" und ihre überraschende Wendung lassen die gesamte Handlung in einem neuen Licht erstrahlen.

Wie auch in den ersten beiden Teilen spielt auch hier der Humor eine große Rolle und der Zuschauer wird in keinster Weise enttäuscht - pure Unterhaltung durch genial gesetzte Slepstick-Elemente! 
Genauso sehenswert sind auch die zahlreichen Actionparts, super inszeniert!

Sehr gut finde ich natürlich die Verbindungen zu weiteren Marvel-Verfilmungen vor allem "The Avengers". Wenn man diesen Film allerdings nicht gesehen hat, werden einem die Panikattacken von Stark nicht komplett klar und möglicherweise auch andere Andeutungen - meine Empfehlung also: Erst "Iron Man", dann "Iron Man 2", "The Avengers" und anschließend "Iron Man 3" schauen, die Reihenfolge bringt's! (Wer mehr mag, sollte auch "Thor", "Der unglaubliche Hulk" und "Captain America" nicht verpassen, auch wenn der Film zu Hulk meiner Meinung nach schlecht geworden ist.)

Etwas enttäuscht bin ich über die Wahl des Soundtracks, da diese in den ersten beiden Filmen starke Akzente gesetzt haben, aber das lässt sich wohl verkraften.

Man kann also sagen, dass ich wirklich begeistert bin von "Iron Man 3" und ihn jederzeit weiterempfehlen würde. Und ich bin traurig, dass diese Trilogie nun beendet ist - auch wenn es Hoffnung auf Fortsetzungen gibt, doch scheinbar ohne Robert Downey Jr., was meiner Meinung nach allerdings keinen Sinn machen würde. Tony Stark wird keine unabhängige Figur sein wie James Bond, zumindest nicht in meinem Universum.

Unbedingt schauen!

5 von 5 Punkten  

Dienstag, 12. Februar 2013

"Eine wie Alaska" von John Green

Titel: Eine wie Alaska
Originaltitel: Looking for Alaska
Autor: John Green
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsjahr: DE 2007 | US 2005
Verlag: dtv
Preis: TB 8,95 EUR
Seitenzahl: 304 Seiten

Kurzbeschreibung

Miles Halter wird auf eigenen Wunsch hin auf ein Internat geschickt, wo auch sein Vater früher schon unterrichtet wurde. Sein neuer Zimmergenosse entpuppt sich als ein impulsiver Kerl mit interessanten Freunden, die Miles in ihre Clique aufnehmen. Vor allem Alaska übt auf Miles einen besonderen Reiz aus. Bloß blöd, dass sie schon einen Freund hat...

Die ersten Sätze im Buch

"Vorher

Einhundersechsunddreißig Tage vorher   Eine Woche bevor ich Florida verließ, um den Rest meiner Jugend in einem Internat in Alabama zu verbringen, ließ sich meine Mutter nicht davon abbringen, eine Abschiedsparty für mich zu geben. Von gedämpften Erwartungen meinerseits zu sprechen wäre heillos übertrieben. Zwar hatte sie mich mehr oder weniger gezwungen, alle meine 'Schulfreunde' einzuladen, also den traurigen Haufen von Theatergruppenleuten und Englischstrebern, mit denen ich notgedrungen in der muffigen Highschool-Cafeteria am Tisch saß, doch ich wusste, dass keiner von ihnen kommen würde."

Meine Meinung

Was für eine emotionale Höhen- und Tiefenfahrt! Die erste Hälfte des Buches strotzt nur so vor Lebensfreude, während man in der zweiten Hälfte eher einer depressiven Stimmung ausgesetzt ist, die zwar perfekt zur Geschichte passt, mich aber irgendwie zum Teil da aus dem Lesegenuss rausgerissen hat...

Der Protagonist und Ich-Erzähler Miles Halter, der später ironischerweise Pummel von seinen neuen Freunden getauft wird, ist eine überaus interessante Figur mit der Vorliebe für die letzten Worte von berühmten Menschen. Er ist ruhig, klug und erzählt mit viel Sarkasmus und Selbstironie, was ihn äußerst sympathisch macht.

Miles' Mitbewohner ist der Colonel (eigentlich Chip Martin), der eher aus ärmlichen Verhältnissen stammt und eine Abneigung gegen die Kinder reicher Eltern hat, was aber nicht neidisch oder verbittert rüberkommt. Wenn er gefrustet ist, dann lernt er gerne Sachen (vor allem im Bezug auf Geographie) auswendig, was für mich auf ein zwar intelligentes aber rastloses Wesen schließen lässt.

Eine weitere sehr wichtige Figur im Roman ist die Titelgeberin Alaska Young, eine launische Feministin, die mal geheimnisvoll, mal direkt, mal aufgedreht, mal ruhig ist - eine der unberechenbarsten Figuren, die mir je untergekommen ist. Ich schwankte stellenweise zwischen Sympathie und Antipathie für diese Person und kann jetzt immer noch nicht sagen, ob sie mir gefallen hat oder nicht. Zu ihr passt der Ausdruck "eine Wissenschaft für sich".

Auch die anderen Nebenfiguren haben so ihre kleinen Besonderheiten bekommen und sei es nur ein Talent für's Rappen oder die etwas andere Aussprache eines Buchstabens. Dadurch wirken alle authentisch und lebendig, alle werden sehr menschlich und auf ihre eigene Art und Weise sympathisch dargestellt, es wird niemand stupide als "böse" abgestempelt. Sehr lobenswert!

Weniger lobenswert ist der Umgang mit Drogen (im Speziellen Alkohol und Zigaretten), die nur indirekt und schwächlich kritisiert und von den Jugendlichen en masse konsumiert werden. Vor allem deswegen erscheint mir dieser Roman nicht für jüngere Leser geeignet.

Allein schon aufgrund des grandiosen Erzählstils würde ich dieses Buch empfehlen, doch auch die Geschichte an sich hat so ihren Reiz - und die Spannung mit dem Herunterzählen der Tage bis zu einem schrecklichen Ereignis.

Lest es!

Weitere Werke des Autors (Auswahl)
"Tage wie diese" (mit Maureen Johnson und Lauren Myracle)
"Will & Will"
"Das Schicksal ist ein mieser Verräter"

5 von 5 Punkten

Dienstag, 5. Februar 2013

Filmtipp: "Silver Linings"

Quelle: Wikipedia EN
Titel: Silver Linings
Originaltitel: Silver Linings Playbook
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Drama, Humor, Buchverfilmung
FSK: ab 12 Jahren
Länge: 122 Minuten
Regie: David O. Russell
Drehbuch: David O. Russell
Musik: Danny Elfman
Hauptrollen: Bradley Cooper als Patrizio "Pat Jr." Solitano, Jennifer Lawrence als Tiffany Maxwell, Robert de Niro als Patrozio Solitano Sr., Chris Tucker als Danny, Brea Bree als Nikki u.v.m.

Kurzbeschreibung

Pat hat eine manisch-depressive Störung und kommt nach einer monatelangen Therapie endlich zu seinen Eltern nach Hause. Seine Ehefrau Nikki, die eine einstweilige Verfügung gegen ihn ausgesprochen hat, darf er nicht besuchen, doch er versucht alles, um ihr wieder näher zu kommen, und Tiffany, die kleine Schwester von Nikkis bester Freundin, könnte ihm dabei helfen...

Meine Meinung

Die Geschichte ist am Anfang völlig wirr, man versteht erst mal nicht, worum es überhaupt geht. Pat wirkt etwas abgedreht und neben der Spur, auch wenn er behauptet, ihm ginge es nie besser. Es dauert eine kleine Weile, bis man dann endlich den Kontext versteht und dann wird der Film erst richtig interessant.

Die Hauptfigur Pat (Bradley Cooper) ist vielschichtig gestaltet, dadurch dass er an einer manisch-depressiven Störung leidet und alles tut, um seine Pillen nicht nehmen zu müssen. Nachdem er seine Frau Nikki (Brea Bree) mit einem Arbeitskollegen von ihr inflagranti erwischt hat und dabei das Hochzeitslied von Pat und Nikki lief, kommen all die Erinnerungen wieder auf, wenn er diese Musik hört, und er rastet völlig aus.

Man merkt, dass er geradezu besessen von Nikki ist, denn obwohl sie fremdgegangen ist, möchte er unbedingt zu ihr zurück und ist überzeugt, dass ihre Ehe immer noch genauso bestehe, wie vor dem Vorfall.

Bradley Cooper spielt die Hauptperson meiner Meinung nach sehr überzeugend, ohne dabei komplett verrückt oder unsympathisch zu wirken. Respekt!

Ein wichtiges Bindeglied zwischen Nikki und Pat wird Tiffany (Jennifer Lawrence). Sie ist noch recht jung und hat kürzlich ihren Ehemann verloren, was sie endgültig in die Depression stürzen ließ. Sie nennt sich selbst eine Schlampe und fühlt sich sehr einsam, versucht es aber größtenteils zu überspielen, sodass sie auf Außenstehende eher distanziert wird.

Jennifer Lawrence hat mich in dieser Rolle wirklich überzeugen können, sie scheint dafür wie gemacht zu sein und bringt Tiffanys extreme Stimmungsschwankungen sehr gut rüber. Außerdem - was ich so nicht erwartet hätte - kann Lawrence echt gut tanzen und hat einen tollen Hüftschwung drauf!

Es gibt noch einige andere Nebenfiguren, die erwähnenswert sind und alle sehr gut ausgearbeitet wurden, wie z. B. Pats Vater (Robert de Niro) mit seiner Zwangsneurose und der Leidenschaft für Football oder Pats Freund Danny (Chris Tucker), desse  Entlassung aus der Klinik zu einem Running Gag wird.

Meiner Meinung nach ist dieser Film wirklich gelungen, er hat genau die richtige Portion Humor und Drama, sodass man gut unterhalten wird und es nicht platt wirkt.

Empfehlenswert!

5 von 5 Punkten

Donnerstag, 31. Januar 2013

"Das also ist mein Leben" von Stephen Chbosky

Titel: Das also ist mein Leben
Originaltitel: The Perks of Being a Wallflower“
Autor: Stephen Chbosky
Genre: Jugendbuch, Briefroman
Erscheinungsjahr: DE 1999 (als „Vielleicht lieber morgen“)| US 1999
Verlag: HEYNE
Preis: TB 12,99 EUR
Seitenzahl: 288 Seiten

Kurzbeschreibung

Für Charlie beginnt das erste Jahr auf der Highschool und gleichzeitig fängt er eine einseitige Briefkonversation mit einem „Freund“ an, dem er all seine Sorgen, Wünsche, Hoffnungen und Erlebnisse mitteilt. Ein Jahr voller neuer Erfahrungen und Freundschaften liegt vor ihm und auch die Vergangenheit möchte verarbeitet werden...

Die ersten Sätze im Buch

„25. August 1991

Lieber Freund,
ich schreibe Dir, weil sie meinte, dass Du zuhörst und verstehst und nicht versucht hast, auf dieser Party mit einer bestimmten Person zu schlafen, obwohl Du es gekonnt hättest. Versuch bitte nicht, rauszukriegen, wer sie ist, sonst könntest Du rauskriegen, wer ich bin, und das möchte ich nicht. Ich gebe den Leuten auch andere Namen als ihre wirklichen – weil ich nicht will, dass Du auf mich kommst. Deshalb habe ich auch keinen Absender angegeben. Das alles ist nicht böse gemeint. Ganz ehrlich nicht.“

Meine Meinung

Ich bin ganz ehrlich, am Anfang wollte ich das Buch (so nach dem ersten 50 – 100 Seiten) weglegen bzw. abbrechen. Den Protagonisten Charlie fand ich sehr, sehr merkwürdig, vor allem weil er sich meiner Meinung nach so untypisch für sein Alter benommen und ausgedrückt hat. Er kam mir eigentlich viel jünger vor, als er eigentlich sein sollte. Doch mit der Zeit merkt man, was für eine heftige Veränderung er durchmacht.

Das erste, was einem auffällt, ist, wie viel Charlie beobachtet und interpretiert, wie viel er eigentlich wahrnimmt ohne es gleich zu verstehen und wie wichtig ihm Kleinigkeiten erscheinen. Aber vor allem der Erzählstil ist besonders, denn Charlie schreibt an einen „Freund“, von dem wir nie die Identität erfahren und der Charlie nicht kennen soll, weswegen alle vorkommenden Menschen andere Namen erhalten. Das hat schon etwas besonderes, auch wenn ich eine Weile brauchte, um mich an diesen Erzählstil zu gewöhnen.

Charlies familiäres Verhältnis ist oft ein wichtiges Thema in den Briefen, genau wie die Freundschaft zu den beiden Zwölftklässlern Patrick und Sam, die er eher zufällig kennenlernt und zu denen er eine ganz besondere Bindung entwickelt.

Ich sehe diese Freundschaft teilweise etwas kritisch an, da Sam und Patrick durch ihr Alter natürlich schon weitaus erfahrener sind, was vor allem den Umgang mit harten und weichen Drogen angeht. Charlie ist naiv, vor allem wenn es um seine beiden besten Freunde geht, und macht natürlich alles mit – vor allem das Rauchen bleibt haften und das fand ich schlecht. Ich mag es nicht, wenn die Hauptpersonen, wie realistisch es auch immer sein mag, rauchen.

Die ganze Zeit über, die ich das Buch gelesen habe, hatte ich das Gefühl, Charlie hätte eine Persönlichkeitsstörung. Zumindest bis ich dann herausfand, was wirklich passiert ist und plötzlich hat die gesamte Geschichte doch irgendwie Sinn ergeben und wenn ich das rückblickend nochmal betrachte, all die Stellen im Buch, die ich absurd oder total daneben fand, sind doch irgendwo verständlich.

Es ist vor allem die Geschichte über das Erwachsenwerden eines jungen Menschen und ich denke, das sollte man doch mal gelesen haben, es wird tatsächlich nicht umsonst so hoch gelobt.

Empfehlenswert!

5 von 5 Punkten

Donnerstag, 24. Januar 2013

"Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick" von Jennifer E. Smith

Titel: Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick
Originaltitel: The Statistical Probability of Love at First Sight
Autorin: Jennifer E. Smith
Genre: Jugendbuch, Romantik
Erscheinungsjahr: DE 2012 | US 2012
Verlag: Carlsen
Preis: HC 16,90 EUR
Seitenzahl: 224 Seiten

Kurzbeschreibung

Hedley wäre jetzt überall lieber nur nicht in diesem blöden Flugzeug nach London. Sie ist auf dem Weg zu der Hochzeit ihres Vaters. Und wäre diese Tatsache allein nicht schon schlimm genug, so geht an dem Tag auch noch so einiges schief und Hedley kann sich nur mit dem Gedanken vertrösten, dass zumindest ihr Sitznachbar für die nächsten paar Stunden ein ziemlich süßer Junge ist...

Die ersten Sätze im Buch

„Prolog

Es hätte auch alles ganz anders kommen können.
Stell dir vor, du hättest das Buch nicht vergessen. Dann hättest du nicht ins Haus zurücklaufen müssen, während Mom draußen mit laufendem Motor wartete und der Auspuff eine Abgaswolke in die bläuliche Dämmerung blies.
Oder noch früher: Stell dir vor, du hättest nicht so lange damit gewartet, das Kleid anzuprobieren, dann hättest du vielleicht eher bemerkt, dass die Träger zu lang waren, und Mom hätte nicht ihr altes Nähkästchen hervorkramen und die Küchentheke in einen OP-Tisch verwandeln müssen, um das arme, leblose, violette Seidenfähnchen in letzter Minute zu retten.“

Meine Meinung

Was für eine ultrasüße Geschichte! Ich liebe sie.

Hedley Sullivan, die Protagonistin, ist 17 Jahre alt und hat einiges an Ängsten vorzuweisen, u.a. Klaustrophobie. Zwar kommt sie normalerweise damit ganz gut klar, doch wenn der Stress sie erdrückt, weil sie z.B. ihren Flug verpasst, sich mit ihrer Mutter streitet, ihr Vater eine Fremde heiratet, dann ist es einfach zu viel. Doch zum Glück trifft Hedley Oliver im Flughafen, der – wie es der Zufall so will – auch auf dem Weg nach London ist und sie durch lustige Gespräche von ihren Sorgen ablenkt.

Hedley als Hauptperson hat mir sehr gut gefallen, ich konnte alle ihre Sorgen und Gedanken nachvollziehen und auch verstehen. Sie kommt nicht mit der Tatsache klar, dass sich ihre Eltern geschieden haben und ihr Vater nun quasi am anderen Ende der Welt wohnt. Sie fühlt sich von ihm schlicht in Stich gelassen, doch im Laufe der Geschichte ändert sich ihre Sicht darauf.

Oliver ist gebürtiger Brite, der zum Studieren in die USA gegangen ist. Er will Hedley nicht so recht verraten, was er tatsächlich studiert, doch seine Antworten werden zu einem kleinen Running Gag in der Geschichte, was teilweise wirklich sehr witzig ist. Oliver an sich ist total sympathisch, man muss ihn einfach gern haben!

Man merkt schon nach kurzer Zeit, dass Oliver etwas verheimlicht, und man versteht im Nachhinein auch, warum er das tut. Ich hätte sehr wahrscheinlich nicht anders reagiert an seiner Stelle.

Leider war das Buch wirklich kurz, ich hätte noch gerne mehr über Hedley und Oliver gelesen, die sich sehr gut gegenseitig ergänzt haben. Es hat sehr viel Spaß gemacht, die beiden einen Tag lang zu begleiten, ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Lest es, es ist wunderbar! :)
5 von 5 Punkten

Sonntag, 20. Januar 2013

"Nur eine Liste" von Siobhan Vivian

Titel: Nur eine Liste
Originaltitel: The List
Autorin: Siobhan Vivian
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsjahr: DE 2012 | US 2012
Verlag: Ravensburger
Preis: HC 16,99 EUR
Seitenzahl: 416 Seiten

Kurzbeschreibung 

Jedes Jahr in der Woche vor dem Homecoming-Ball erscheint sie wie aus dem Nichts: die Liste, die die Hübschesten und Hässlichsten Mädchen der Schule auflistet. Doch nicht nur für die vermeitlich Hässlichen kann dieser Titel zu einer Bürde werden. Wer ist bloß ihr Verfasser?





Die ersten Sätze im Buch


“Prolog

Seit Ewigkeiten finden die Schüler der Mount Washington Highschool, wenn sie am letzten Montag im September in die Schule kommen, eine Liste mit dem hübschesten und dem hässlichsten Mädchen jeder Klassenstufe vor.
Dieses Jahr wird es nicht anders sein. 

Meine Meinung


Niemand weiß, wer der Autor ist, aber diese Liste ist zu einer Art Tradition an der Mount Washington Highschool geworden. Jedes Jahr am letzten Montag vor dem Homecoming-Ball ist es so weit: die Liste verkündet das jeweils hübscheste und hässlichste Mädchen eines jeden Jahrgangs.

Acht junge Mädchen müssen sich auch dieses Mal ihrem Schicksal stellen, denn nicht nur die angeblich Hässlichen kämpfen mit dieser Beurteilung, auch die, die zu den Schönsten gewählt werden, bekommen auf einmal Probleme teilweise auch mit sich selbst.

Ich möchte mich hier nicht allzu sehr auf die einzelnen Protagonistinnen fokusieren, da es insgesamt acht von denen gibt und sie alle eine interessante Vorgeschichte und Haltung zur Liste vorweisen.

Allerdings haben mir von allen Mädchen Danielle und Sarah am besten gefallen, da sie zumindest versuchen, in irgendeinander Weise gegen die Liste anzukämpfen, sei es durch sportliche Anerkennung oder durch pure Rebellion.

Der sozialkritische Aspekt ist in diesem Jugendbuch durchgehend vertreten und gut erkennbar. Die meisten Jugendlichen in diesem Roman handeln meiner Meinung nach sehr natürlich und teilweise auch für ihr Alter angemessen. Ständig kommt die Frage auf, wer wohl diese Liste erstellt hat und das Recht vorweist, sich ein Urteil über diese Mädchen zu machen und sie auch in gewisser Weise vor der gesamten Schule lächerlich zu machen.

Da die Geschichte nur insgesamt die sechs Tage vor dem Homecoming-Ball beinhaltet, sind einige Veränderungen der Mädchen und auch gewisse Aktionen, wie sie im Buch in dem Umfang stattgefunden haben, eher unrealistisch bzw. unlogisch, beispielsweise kann ein Mensch innerhalb von wenigen Tagen nicht dermaßen stinken, dass es einen jeden Raum verpesten kann.

Jedes der Mädchen geht seinen eigenen Weg und jeder dieser Wege ist auf seine eigene Art und Weise interessant und spannend.

Die überaschende Wendung am Ende hat mich echt zum Nachdenken gebracht und es wurmt mich immernoch, dass das Ende so extrem offen ist und einige Fragen (Wer hat damit angefangen? Warum sind nur Mädchen betroffen?) unbeantwortet bleiben. Doch je länger ich drüber nachdenke, desto sicherer bin ich, dass jedes andere Ende eine große Enttäuschung wäre.

Ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen!

Weitere Werke der Autorin (Auswahl) 
“Same Difference”
“Not That Kind Of Girl”


5 von 5 Punkten


Vielen Dank an bloggdeinbuch.de und den Ravensburger Verlag für die Bereitsstellung dieses Rezensionsexemplares!